Mal wieder nur ein Hinweis auf meinen Artikel beim Freitag und auf demokratiEvolution über den sakralen Ursprung des Geldes aus dem Opferkultus.
Archiv der Kategorie: Gesellschaft
Marketing des Lebens. Tod des Marketings
Update 26.5.
Dieser Artikel ist inzwischen auch als Freitag-Blog erschienen und wurde dort ausgiebig auf Facebook diskutiert. Drei Tage später hat auch das Neo Magazin Royale einen schönen (satirischen) Werbespot für die „Life“-Variante eines schon früher erfundenen Cola-Drinks veröffentlicht. Kurz darauf sind u. a. bei Zeit, Welt und Stern online Artikel zum Thema erschienen.
Wenn man derzeit vor einem der Werbeplakate für das hierzulande neueste Lebensverkürzungsmittel aus dem Hause Coca-Cola steht, das auch noch den wunderschön zynischen Namen Life trägt, kann sich einem unweigerlich die Frage aufdrängen, ob hier nicht sogar eine neue Dimension des Marketings erreicht ist. Denn mal abgesehen davon, dass Coca-Cola sich für sein neues Greenwashing gewissermaßen auf den Kopf stellen, oder von innen nach außen stülpen, nämlich sich in seine Komplementärfarbe verwandeln musste; und ganz abgesehen von der Frage, ob der globale Kapitalismus letztlich nicht doch mehr Leben vernichtet, als er schafft, will zwar seine Werbung – und muss das nicht zuletzt sicher auch, um von genau jener Frage abzulenken – natürlich immer schon vor allem eins: mit ihren Produkten zugleich ein ganzes Lebensgefühl verkaufen. Aber könnte es sein, dass vielleicht wirklich erst jetzt mit Coca-Cola Life zum ersten Mal ein Unternehmen diese Strategie eins zu eins, in reinster Form beim Namen, nämlich sein Produkt nach ihr benennt? Mir ist bisher jedenfalls kein anderes vergleichbares untergekommen (ich bin da allerdings auch sicher nicht der Bewandertste).
Im Grunde ist es aber doch höchst erstaunlich, dass Weiterlesen
Wer ist das kranke Schwein?

Mehr als unnötig – Foto: stevepb/Pixabay
Etwas spät nun noch der Hinweis auf meinen kleinen Artikel beim Freitag und bei demokratiEvolution zur digitalen Lynchjustiz im Fall Edathy und ihren befürchteten Folgen für die Demokratie. Zwei Stunden später hat sich dann auch der Freitag-Verleger und -Chefredakteur zum Thema geäußert.
Immer noch passend zum Thema ist auch ein Kommentar aus dem vergangenen Jahr vom ebenso streitbaren wie wortmächtigen Vorsitzenden Richter am Bundesgerichtshof Thomas Fischer: Weiterlesen
Die Infantilisierung unserer Gesellschaft

Depressives Vergnügen? Glanz und Elend der Kindheit für Erwachsene – Filmstill aus „Finsterworld“, © Alamode Filmverleih
An dieser Stelle nur ein Hinweis auf den gleichnamigen Artikel, den ich Ende Dezember auf freitag.de und später bei demokratiEvolution veröffentlicht habe. Er hat beim Freitag und auch auf dessen Facebook-Seite viel Beachtung gefunden, was mich sehr freut, weil ich in ähnlicher Richtung gerade auch für ein Forschungsprojekt recherchiere. Man wird also in Zukunft hoffentlich mehr dazu hören. In diesem Sinne allen meinen Lesern ein produktives und erfolgreiches neues Jahr!
Von Tauben und Bettlern
Weil es so gut zum Thema des letzten Beitrags passt, hier noch ein ganz kleiner älterer Text vom vergangenen Sommer:
Heute morgen, unter der S-Bahn-Brücke Neukölln, steht ein alter Mann, vermutlich türkischer oder arabischer Herkunft, halb auf seinen Stock gestützt, halb seitlich an die Wand gelehnt und wirft, wie verstohlen, aber vor aller Augen und über den gesamten Gehsteig aus einer Plastiktüte viel zu große Brotstücke für eine Taube an den Straßenrand. Zehn Meter weiter sitzt, heute wie jeden Tag, eine Obdachlose und bettelt um Essen und Geld. Der Mann sieht direkt in ihre Richtung. Selbst wenn man die ökologische Problematik des Taubenfütterns nicht kennt, könnte man diese Szenerie kaum absurder finden: Brot für ohnehin schon hoffnungslos eutrophierte Tauben, die den öffentlichen Raum zuscheißen, während ein Mensch daneben hungert.
Als ich an der Ampel stehe, sehe ich, dass der Mann jetzt in Richtung der Bettlerin geht. Ich bleibe stehen und warte, was passiert. Er geht nicht vorbei. Er spricht mit ihr. Und dann gibt er ihr die ganze Tüte Brötchen. Auch wenn man ihm das mit den Tauben nochmal erklären muss (und hier wäre natürlich zum Beispiel ich der in der Pflicht stehende, trotzdem vorbeigehende Arsch), ist die Hoffnung für die Menschheit noch nicht ganz verloren.
Die Glaubwürdigkeit des Bittstellers
Neulich sprach mich auf einem Bahnsteig am Berliner Hauptbahnhof jemand an. Ich stellte mich auf einen der üblichen Bittsteller ein (die ich für gewöhnlich abweise, teilweise aus diesen Gründen). Da aber seine erste Frage lediglich war, ob ich Englisch spreche, wollte ich zumindest diese Frage nicht verneinen. Er darauf: „O thank God! Everybody else just says no.“ Dann entschuldigte er sich dafür, dass er schrecklich aussehe. Und das tat er einigermaßen, aber nicht wie jemand, der auf der Straße lebt, sondern eher wie einer, der gerade wirklich unter akutem Stress steht. Er hatte sogar Schweißperlen auf der Nase.
Dann begann er mir zu erzählen, Weiterlesen
„Hilft Kiffen gegen Kommunikationsstörung?“
Das frage ich mich in meinem ersten Beitrag für demokratiEvolution, das Blog von denkzentrum|demokratie. Es geht um Gefährdungen der Demokratie, TTIP, Stuttgart 21, verfassungswidrige Fahrverbote und einmal wieder um Hartz IV. Viel Spaß!
Wer sich übrigens fragt, warum auf meinem Blog schon länger nichts mehr passiert ist, darf sich demnächst auf mein erstes Buch freuen, dessen Druckfassung ich gerade noch Korrektur lese. Es geht darin um „Genie in der Kunst des Lebens“. Man darf gespannt sein!
„If only Bradley’s arm was longer“ – Das Selfie zwischen Narzissmus und Gemeinschaftsstiftung
Das Selfie darf wohl als ein perfekter Ausdruck unserer narzisstischen Gesellschaft gelten. Wir brauchen kein Gegenüber mehr, das uns ansehen und fotografieren mag; es reicht, wenn wir uns selbst ansehen und fotografieren. Und irgendwer im weltweiten Gewebe wird uns dann schon auch noch sehen, ob er mag oder nicht. Doch womöglich ist unser Narzissmuss eine Erbschaft aus Urzeiten. Denn derzeit wird anhand des Selfies eines Affen unter anderem die Frage diskutiert, ob Tiere ein Urheberrecht haben können. Dabei dürfte die Handvoll gelungener Bilder aus mehreren hundert unscharfen, die 2011 ein Schopfmakake im indonesischen Urwald mit der Kamera des Fotografen David Slater geschossen hatte, Zufallstreffer gewesen sein. Posiert hätten die Affen laut Slater trotzdem. (Eindeutig in Pose werfen sich übrigens die Menschen, die Selfies im KZ machen.)
Zurück zu unserer Spezies, Weiterlesen
Hartz Gier? Lächerlich!
Es ist ja nichts neues, dass einen manches aus den Erzeugnissen der einschlägigen Medienimperien wirklich wütend machen kann. Aber ab und zu muss man dann doch nochmal darauf hinweisen: etwa anlässlich eines Artikels des Focus, den ich einmal wieder beim Presseverwurster Huffington Post entdeckt habe. Interessant ist in diesem Zusammenhang übrigens zunächst, dass die deutsche Ausgabe der im Herkunftsland USA als linksliberal geltenden Onlinezeitung in Zusammenarbeit eben mit Focus Online erscheint, den man wohl eher einem anderen politischen Spektrum als dem Linksliberalen zuordnen muss. Das verdeutlicht auch besagter Artikel mit dem charakteristischen Titel Hartz Gier: So dreist zocken Lehrer, Politiker und Juristen den Sozialstaat ab. Man fühlt sich erinnert an die hässliche Bild-Zeitungskampagne gegen „Florida-Rolf“, deren traurige Konsequenzen den Staat letztlich mehr kosteten, als sie ihm einsparten.
Die aktuelle Einlassung nun Weiterlesen
„Tom Wohlfarth fordert die Abschaffung des Journalismus!“
Es ist doch immer wieder spannend zu sehen, wie einige Arten von Journalismus funktionieren. Im Gespräch mit dem Spiegel etwa äußerte kürzlich Margot Käßmann einen utopischen Wunsch: „Ich fände es gut, wenn die Bundesrepublik auf eine Armee verzichten könnte wie etwa Costa Rica.“ Ihr sei aber zugleich auch selbst klar, dass dieser Wunsch momentan utopisch sei. Aus einer also bewusst utopischen Wunschäußerung macht der Spiegel dann ein Aussprechen „für eine Abschaffung der Bundeswehr“. Einige andere Medien, etwa der NDR, verschärfen das ‚Aussprechen‘ zu einem ‚Fordern‘; die Huffington Post stellt noch einen Käßmann disqualifizierenden Satz an den Anfang – den einzigen, den man dann im Facebook-Posting, dem üblichen Verbreitungskanal, noch sehen wird – (den Rest schreibt auch sie natürlich einfach ab), und tadaa: Alle diskutieren nur noch über die Überschrift, die mit dem tatsächlich zitierten Käßmann-Wortlaut nicht mehr viel zu tun hat. Aber Hauptsache, man kann sich sofort darüber aufregen.
Dabei ist Käßmanns Wunsch, so unrealistisch er erklärtermaßen sein mag, ALS bloßer Wunsch doch völlig naheliegend. Würden wir uns nicht alle eine Welt ohne Kriege WÜNSCHEN? Man kann das tun und gleichzeitig GEGEN eine Abschaffung der Bundeswehr argumentieren. So habe ich es etwa neulich gegenüber einer Freundin getan. Sie fordert nämlich tatsächlich die Abschaffung der Bundeswehr, ich kenne also den Unterschied.
Und man kann schließlich auch Jounalismus kritisieren, ohne gleich seine Abschaffung fordern zu müssen. Oder?




