Schlagwort-Archive: Gemeinschaft

Emotionen erlaubt

Nach den Wahlen ist vor den Wahlen: Vorschläge zum Umgang mit der AfD und ihren Anhängern. Ein Plädoyer für eine gefühlssensible Kultur demokratischer Kommunikation

Emotionen_erlaubt

Pegida-Demonstration in Amsterdam – Foto: Guido van Nispen/ Flickr (CC BY 2.0)

Dieser Text, den ich gemeinsam mit Andreas Schiel geschrieben habe, erschien am vergangenen Samstag beim Katapult Magazin für Kartografik und Sozialwissenschaft, dann in aktualisierter Fassung am gestrigen Dienstag als Publikation des denkzentrum|demokratie sowie beim Freitag, wo er derzeit auch noch diskutiert wird. Eine weitere Diskussion findet sich auf Facebook, Benedikt Strohstädter etwa schreibt dort: „Sehr nüchtern, neutral und klar. So muss geschrieben werden damit die ganze Scheisse uns hier nicht um die Ohren fliegt. Kompliment!“

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Soziale Freiheit und kommunikative Demokratie

Axel Honneth entwirft in seiner Aktualisierung des Sozialismus ein Konzept kommunikativer Demokratie, das eine internationale NGO umsetzen soll. Eine steht schon bereit

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Grenzenlose Kommunikation? Bewegung und Kommunikation im Netzwerk Twitter – Bild: Eric Fischer/ Flickr(CC), https://flic.kr/p/b7ntgR

Hier die Links zu meinem neuen Artikel bei demokratiEvolution und beim Freitag, dort mit ausgiebiger Diskussion.

Von Tauben und Bettlern

Weil es so gut zum Thema des letzten Beitrags passt, hier noch ein ganz kleiner älterer Text vom vergangenen Sommer:

Heute morgen, unter der S-Bahn-Brücke Neukölln, steht ein alter Mann, vermutlich türkischer oder arabischer Herkunft, halb auf seinen Stock gestützt, halb seitlich an die Wand gelehnt und wirft, wie verstohlen, aber vor aller Augen und über den gesamten Gehsteig aus einer Plastiktüte viel zu große Brotstücke für eine Taube an den Straßenrand. Zehn Meter weiter sitzt, heute wie jeden Tag, eine Obdachlose und bettelt um Essen und Geld. Der Mann sieht direkt in ihre Richtung. Selbst wenn man die ökologische Problematik des Taubenfütterns nicht kennt, könnte man diese Szenerie kaum absurder finden: Brot für ohnehin schon hoffnungslos eutrophierte Tauben, die den öffentlichen Raum zuscheißen, während ein Mensch daneben hungert.
Als ich an der Ampel stehe, sehe ich, dass der Mann jetzt in Richtung der Bettlerin geht. Ich bleibe stehen und warte, was passiert. Er geht nicht vorbei. Er spricht mit ihr. Und dann gibt er ihr die ganze Tüte Brötchen. Auch wenn man ihm das mit den Tauben nochmal erklären muss (und hier wäre natürlich zum Beispiel ich der in der Pflicht stehende, trotzdem vorbeigehende Arsch), ist die Hoffnung für die Menschheit noch nicht ganz verloren.

Die Glaubwürdigkeit des Bittstellers

Glaubwürdig?

Glaubwürdig?

Neulich sprach mich auf einem Bahnsteig am Berliner Hauptbahnhof jemand an. Ich stellte mich auf einen der üblichen Bittsteller ein (die ich für gewöhnlich abweise, teilweise aus diesen Gründen). Da aber seine erste Frage lediglich war, ob ich Englisch spreche, wollte ich zumindest diese Frage nicht verneinen. Er darauf: „O thank God! Everybody else just says no.“ Dann entschuldigte er sich dafür, dass er schrecklich aussehe. Und das tat er einigermaßen, aber nicht wie jemand, der auf der Straße lebt, sondern eher wie einer, der gerade wirklich unter akutem Stress steht. Er hatte sogar Schweißperlen auf der Nase.

Dann begann er mir zu erzählen, Weiterlesen

„If only Bradley’s arm was longer“ – Das Selfie zwischen Narzissmus und Gemeinschaftsstiftung

Bild im Bild - Ein Rekord wird gemacht

Bild im Bild – Ein Rekord wird gemacht

Das Selfie darf wohl als ein perfekter Ausdruck unserer narzisstischen Gesellschaft gelten. Wir brauchen kein Gegenüber mehr, das uns ansehen und fotografieren mag; es reicht, wenn wir uns selbst ansehen und fotografieren. Und irgendwer im weltweiten Gewebe wird uns dann schon auch noch sehen, ob er mag oder nicht. Doch womöglich ist unser Narzissmuss eine Erbschaft aus Urzeiten. Denn derzeit wird anhand des Selfies eines Affen unter anderem die Frage diskutiert, ob Tiere ein Urheberrecht haben können. Dabei dürfte die Handvoll gelungener Bilder aus mehreren hundert unscharfen, die 2011 ein Schopfmakake im indonesischen Urwald mit der Kamera des Fotografen David Slater geschossen hatte, Zufallstreffer gewesen sein. Posiert hätten die Affen laut Slater trotzdem. (Eindeutig in Pose werfen sich übrigens die Menschen, die Selfies im KZ machen.)

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